Interview mit Prof. Dr. Peters

Veröffentlicht am

Prof. Dr. Peters ist seines Zeichens Inhaber des Lehrstuhls für VWL, insbesondere Finanzwissenschaft und Umweltökonomie und ist nach Prof. Stadtmann und Prof. Kudert unser dritter Interviewpartner im Bunde.

Name: Prof. Dr. Wolfgang Peters
Geburtstag: 31. Dezember 1954
Geburtsort: Duisburg

weiterführende Links:
LehrstuhlseiteCurriculum Vitae

Sie sind der erste Professor, den die Erstis kennenlernen. Ist Ihnen bewusst, dass Sie für einen ersten bleibenden Eindruck der Viadrina verantwortlich sind?

Prof. Dr. Peters: Von der Viadrina wahrscheinlich nicht, aber von dem, was im Studium auf sie zukommt mit Sicherheit, ja. Im Grunde vermitteln Herr Kudert und ich von Anfang an den Studenten das, was in den nächsten zwei, drei Semestern auf sie zukommen wird: Arbeiten. Das müssen viele dann auch erst lernen, doch sie sind ja freiwillig hier, was viele nicht verstehen und es dann nicht so gut funktioniert.

Wir sagen Ihnen auch immer ganz offen und ehrlich, dass sie sich die Personen links und rechts neben sich anschauen sollen. Mindestens einen davon sehen sie im nächsten Semester nicht mehr. Das liegt jedoch nicht am Studium, sondern im Grunde genommen an der Selbstselektion der Studenten. Sie stellen fest, dass die Vorstellungen, mit denen sie hergekommen sind, mit denen im realen Studium nicht identisch sind.

Viele von ihnen haben andere Ansprüche und die Leistungsbereitschaft ist dann oft doch nicht so hoch, wie man sie selbst eingeschätzt hatte. Dabei sind die zahlreichen Interessen abseits des Studiums wohl das größte Problem.

Sie sind 1996 an die Viadrina gekommen. Konnten Sie seitdem signifikante Änderungen bezüglich der Durchfallquote in Ihren Fächern Mathematik und Mikroökonomie wahrnehmen?

Prof. Dr. Peters: Über die vergangenen Jahre hinweg hat sich die Durchfallquote zwar immer wieder verändert, jedoch in sämtliche Richtungen. Es gab bessere und schlechtere Jahrgänge, doch woran das genau lag, kann ich leider nicht sagen. Ich bin mir auch nicht unbedingt immer sicher, ob dies immer an den Studenten lag. Es ist ebenfalls möglich, dass man selbst ein schlechteres Jahr erwischt hat und bei der Prüfung genau die Aufgabe herausfiltert, die alle Studenten in ihrer Vorbereitung nicht berücksichtigt haben. Das hat dann natürlich bemerkbare Auswirkungen auf das Endergebnis.

In all den Jahren hatte ich nur einen signifikanten Ausreißer. In dem Jahr, als der BWL-Studiengang NC-frei war, hatten wir nicht nur deutlich mehr Studenten, sondern mussten auch deutlich schlechtere Studenten zulassen. Da war hier der Teufel los und ich hatte dann eine Durchfallquote, die bei rund 70 Prozent lag, wobei ich nicht der einzige war, der das feststellen musste.

In Ihren Fächern kommen Sie den Studenten in puncto Bewertung oft stark entgegen. Wie ist es dazu gekommen?

Prof. Dr. Peters: Entgegenkommen würde ich es nicht nennen. Das wird vielleicht so empfunden, aber so ist es nicht. Wir haben besonders bei den großen Eingangsklausuren das Prüfungsverfahren so umgestellt, dass die Antworten exakt vorgegeben werden müssen und wir korrigieren nicht auf Folgefehler. Wenn jemand Fehler gemacht hat und damit weiterarbeitet, ist er natürlich, wie man so schön sagt, an den Fliegenfänger gekommen. Daraufhin haben wir entsprechend die Anspruchsnorm umgestellt und so beibehalten, da die Korrektur der Folgefehler sehr arbeitsintensiv ist. Somit fallen die Folgefehler quasi zum Nachteil der Studenten aus, weshalb wir von den eigentlichen 60 Punkten zum Bestehen auf 50 Punkte heruntergegangen sind, was den Nachteil dann wiederum beseitigt. Allerdings ist das kein Entgegenkommen, sondern nur ein Berücksichtigen dieser Folgefehlerproblematik.

Sie lehren viele Fächer im Bachelor- sowie im Masterstudiengang. Haben Sie dabei ein Fach, was Ihnen besonders viel Spaß bereitet?

Prof. Dr. Peters: Ich habe kein Lieblingsfach. Den meisten Spaß macht es einfach, wenn ich eine neue Vorlesung entwickle. Wenn ich eine alte Vorlesung zum zehnten Mal wieder auflege, dann ist der Spaßfaktor natürlich gering. Ein und das gleiche Essen schmeckt ja beispielsweise auch beim ersten Mal deutlich besser, als wenn Sie es fünfmal hintereinander essen. Genauso ergeht es mir bei meinen Vorlesungen auch.

Wie regelmäßig kommen neue Fächer in Ihren Lehrplan? Wie entsteht ein neues Fach oder wird dies sogar von der Universitätsleitung in irgendeiner Form vorgegeben?

Prof. Dr. Peters: Gott sei Dank hat die Universität damit nichts zu tun. Das wäre wahrscheinlich grausam, denn da würde der Vorlesungsplan top down verlaufen. Das wäre eher kontraproduktiv, wenn der Präsident oder der Dekan mit in das Programm der Lehrstühle einwirken könnten.

Die Anregungen dazu kommen in den meisten Fällen von zwei Seiten. Zum einen sind das die Studenten, ohne dass sie es jedoch merken. Weil man mit ihnen in Kontakt steht und dann irgendwann merkt, dass etwas im Studienplan fehlt, woraufhin man überlegt, ob eine Ergänzung angebracht wäre.

Auf diese Art und Weise bin ich zur Europäischen Wettbewerbstheorie und -politik gekommen. Das war im Grunde genommen ein Entgegenkommen, weil es Schwierigkeiten für einige Studenten gab, die Veranstaltung Industrieökonomik in einer nachvollziehbaren Art zu belegen. Und dann habe ich mir überlegt, dass es vielleicht sinnvoll wäre, eine Anpassung vorzunehmen und nicht das Gleiche erneut anzubieten.

Sie waren vier Jahre lang Dekan an unserer Universität, wie kam es dazu? Mussten Sie dabei einen bestimmten Prozess durchlaufen?

Prof. Dr. Peters: Also ich habe noch keinen Kollegen gesehen, welcher sich um dieses Amt reißt. Typischerweise wird jeder einmal im Laufe seines Lebens dieses Amt bekleiden. Man wird zwar immer höflich darum gebeten und gefragt, ob man diese Aufgabe übernehmen möchte, doch man kann sich nicht immer verweigern. Den einen trifft es etwas früher und den anderen etwas später. Und bei mir war das dann eben auch der Fall, auch wenn man die Aufgabe eher ungern übernimmt.

Wir sind schließlich alle angetreten, weil wir forschen und lehren wollen. Und Dekan ist ein Amt, welches mit beidem nichts zu tun hat, sondern sich vielmehr um Verwaltung dreht. Wenn wir Spaß an der Verwaltung haben würden, dann hätten wir einen anderen Beruf gewählt und daher macht es eigentlich niemand freiwillig und gerne. Aber wir wissen, dass wir es eines Tages machen müssen.

Hatten Sie bestimmte Ziele als Dekan, welche Sie in Ihrer Amtszeit erreichen wollten?

Prof. Dr. Peters: Ich wollte für die Fakultät das Bestmögliche herausholen, nicht für mich, sondern für alle Kollegen und vor allem für die Studenten. Die Kollegen haben mir gesagt, was sie machen wollen und ich habe versucht, genau dies umzusetzen. Das sollte eigentlich die Aufgabe eines jeden Dekans sein, auch wenn man es nicht immer allen recht machen kann.

Rückblickend würde ich sagen, dass meine Amtszeit insgesamt halbwegs gelungen war, auch wenn es die unangenehmste Zeit meines Lebens war. Es war ein permanenter Kampf gegen die Universitätsleitung, da diese teilweise anderes wünschte, als das, was die Fakultät für wünschenswert befand. Und das reibt natürlich auf.

Wie läuft die Arbeit mit den anderen Fakultäten ab? Gibt es regelmäßig fakultätsübergreifende Veranstaltungen?

Prof. Dr. Peters: Als Dekan ist man Mitglied des Präsidiums, in dem sich nicht nur Präsident und Vizepräsident, sondern auch die Dekane befinden. Und solange man im Amt ist, ist man auch permanent mit ihnen im Gespräch. Es gibt schließlich viele gemeinsame Belange: Gemeinsame Studiengänge, Mittelverteilungsprobleme und so weiter. Also es gibt viele Sachen, welche miteinander geklärt werden müssen, was man aber nur schafft, wenn auch alle an einem Strang ziehen.

Welche Dinge konnten Sie explizit in Ihrer Amtszeit ändern?

Prof. Dr. Peters: In der Zeit sind die Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt worden, was nicht heißt, dass ich der Meinung war, dass wir sie hätten zwingend einführen müssen, sondern wir waren ja quasi dazu gezwungen, Dank des Bologna Prozesses, diese Umsetzung in die Hand zu nehmen. Wir haben versucht, diesen Prozess möglichst zum Vorteil der Studenten hinzukriegen, was aber nicht nur meine Aufgabe war, sondern auch die aller Kollegen.

Wir haben also die guten Sachen aus dem alten Studiengang mitgenommen und gute neue Ideen dazu ergänzt. Jedoch haben wir von Anfang an mit trial and error gearbeitet. Aus den Fehlern des ersten Entwurfes dann gelernt, weiterentwickelt, sodass wir jedes Jahr eine Änderung der Studienordnung hatten, um alte Probleme zu beseitigen. Das war die wichtigste Aufgabe, die wir in der Zeit hatten.

Kommen wir zu etwas Persönlicherem. Sie haben 1983 in Bonn Ihr Diplom abgeschlossen. Wussten Sie damals schon, dass Sie eines Tages Professor werden würden?

Prof. Dr. Peters: Hätte ich damals gewusst, was aus mir wird, hätte ich wohl einen Schock bekommen. Ich wusste bislang nur, dass ich im letzten Jahr meines Studiums ein bisschen Spaß an der Wissenschaft entwickelte. Das habe ich dann einem Professor deutlich signalisiert und mit etwas Glück wurde genau bei ihm auch eine Mitarbeiterstelle frei. Genau genommen eine halbe. Die Chance habe ich dann auch beim Schopfe gepackt.

Fest stand dann bloß: Ich wollte promovieren. Ich hatte zwar noch kein Ziel für die Zeit danach, doch als ich fünf Jahre später fertig war, habe ich gemerkt, dass auch der Job des Professors eventuell etwas für mich sein würde.

Sind Sie froh jetzt Professor zu sein?

Prof. Dr. Peters: Vieles macht Spaß, doch es gibt natürlich auch etliches, was keinen Spaß macht. Überwiegend bin ich damit zufrieden, genau diesen Beruf gewählt zu haben und würde es nicht ändern wollen. Woran ich nach wie vor Spaß habe, ist Forschung und Lehre. Wenn dieses andere lästige Zeug, was sich Verwaltung nennt, weg wäre, dann wäre es geradezu schön. Auch auf die Zwistigkeiten, welche die Universität betreffen, kann ich gerne verzichten, doch das wird einen wahrscheinlich immer begleiten.

Bekommt man als Professor auch mal Angebote aus der Wirtschaft?

Prof. Dr. Peters: Also bei mir hat sich das nie eingestellt, aber ich habe auch nie danach gesucht. Ich habe alles daran gesetzt, dass sich solche Angebote erst gar nicht abzeichnen, weil ich das nämlich nicht wollte. Wenn ich so etwas hätte machen wollen, dann hätte ich mich anders positioniert und bestimmt auch Angebote bekommen. Aber das war für mich nie eine Alternative. Das einzige, woran ich einmal mitgearbeitet habe und was mir auch sehr viel Spaß gemacht hat, waren größere Gutachten von Ministerien. Das ist dann eben eine temporäre Angelegenheit, die ein bisschen Geld bringt, jedoch  bin ich danach wieder zurück an die Universität gegangen.

Haben Sie einmal daran gedacht ins Ausland zu gehen?

Prof. Dr. Peters: Nein, das hat sich für mich so eingestellt, denn das einzige Angebot was wirklich attraktiv war, hatte ich am Ende meines Studiums 1983. Damals gab es das noch nicht mit dem Auslandsstudium. Ich hätte in Berkeley (USA) studieren können, das kam dann drei oder vier Monate vor meinem Abschluss und war leider der falsche Zeitpunkt.

Und danach ist man dann in einem Job und wenn man da wieder raus muss, dann ist das auch nicht gut. Und so hat sich das eigentlich fortgesetzt. Außer kurzer Forschungsprojekte im Ausland bin ich nie über den Tellerrand hinausgekommen. Was ich eigentlich schade finde im Nachhinein, aber man kann nicht alles haben.

Wie kam es dann dazu, dass Sie an die Viadrina gekommen sind?

Prof. Dr. Peters: Es war nicht so, dass ich gesagt habe: „Du bewirbst dich jetzt nur an der Viadrina und an keiner anderen Universität.“ Und zur damaligen Zeit hatte ich mindestens zehn Bewerbungen verschickt und war auch auf etlichen Listen an anderen Unis. Allerdings bin ich hier als erstes zum Zug gekommen. Und ab einem gewissen Alter ist man dann auch nicht mehr vermittelbar. So kann man sich dann genüsslich zur Ruhe setzen und muss nicht alles daran setzen, noch irgendwo anders unterkommen zu wollen. Und das ist eben bei mir auch der Fall gewesen.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Planen Sie hier zu bleiben?

Ich werde bis zum bitteren Ende hier bleiben, das ist klar. Die Schallmauer von Mitte-Ende 40 habe ich schon etwas länger durchbrochen. Und Pläne? Den einzig interessanten Plan muss ich noch fassen, was ich mache, wenn ich pensioniert werde. Bleibe ich in der Region oder bewege ich mich dann nochmal irgendwo hin?

Eine Insel in der Karibik könnte da interessant werden.

Prof. Dr. Peters: Also eine Insel in der Karibik könnte mich auf gar keinen Fall reizen. Zum einen bin ich viel zu gern unter Leuten, zum anderen gefällt mir zu viel Hitze auch nicht.

Was möchten Sie in Ihrem Leben noch einmal machen?

Prof. Dr. Peters: Träume hat man immer, aber jeden Tag einen neuen. Von daher gibt es nicht das berühmte Lebensziel, was ich immer schon erreichen wollte. Aber vielfältige Interessen habe ich schon.

Was machen Sie denn zum Beispiel in Ihrer Freizeit?

Prof. Dr. Peters: Die Freizeit, die wir zwischen den Veranstaltungen genießen, ist nicht besonders groß. Wichtig ist mir, viel Sport zu treiben. Ich spiele in fünf verschiedenen Fußballmannschaften mit. Wenn Sie mal über die Fußballplätze von Frankfurt gehen, oder ab und zu in die Hallen, dann werden Sie mich bestimmt mal antreffen. Oder beim USC-Cup, bei dem ich zwar nicht mehr spiele, aber pfeife. Das ist ein altes Hobby von mir.

Und abschließend, Herr Professor Peters: Wer wird Europameister?

Prof. Dr. Peters: Oh, wenn ich das wüsste, dann könnte ich jetzt sehr viel Geld damit verdienen und ich würde es Ihnen auf gar keinen Fall verraten. Aber ich habe so ein paar Verdächtige, die es nicht werden: England, Holland, Ukraine. Und alle anderen haben vielleicht mehr oder weniger Aussichten. Aber keinen Tipp. (Anmerkung: Das Interview wurde vor Beginn der EM 2012 geführt)

Herr Prof. Dr. Peters, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview wurde geführt von Pia Zimmermann und Marco Behrens.

Kommentar verfassen