Prof. Dr. Kudert im Interview

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Ein Berliner mit Affinität zu unserem Nachbarland Polen wäre wohl an der Viadrina genau richtig und das trifft genau auf Prof. Dr. Kudert zu. Der amtierende Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und Inhaber des Lehrstuhls für Steuerlehre und Wirtschaftsprüfung steht uns im Interview Rede und Antwort und spricht unter anderem über seine Sicht über die Studierenden und gibt uns einen Einblick in sein Privatleben.

Steckbrief

Kudert Profil
Name: Prof. Dr. Stephan Kudert
Alter: 50 (06. Mai 1962)
Geburtsort: Berlin

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In der Studierendenschaft sind Sie recht beliebt und daher würden wir gerne mehr über Sie erfahren.

Prof. Dr. Kudert: Bei einigen Studenten bin ich beliebt, bei anderen nicht. Das kommt auch auf die Noten an.

Wie wichtig ist Ihnen die Beziehung zu Ihrer Studierendenschaft und zur Universität?

Prof. Dr. Kudert: Die Zusammenarbeit mit den Studenten ist mir sehr wichtig; das war auch ein Grund warum ich Professor werden wollte. Man wird ja nicht nur Professor, weil man Aufsätze oder Bücher schreiben möchte. Daher schätze ich den Kontakt und ich denke, das merkt man auch in den Veranstaltungen. Die Viadrina zeichnet sich auch dadurch aus, dass dieser Kontakt zwischen den Professoren und den Studierenden relativ intensiv und unproblematisch ist. Das können unsere Studenten in der Regel nicht so gut einschätzen, weil viele von ihnen andere Universitäten nicht kennen.

Sie sehen die Studenten fast täglich. Betrachten Sie sie mehr als „Kinder“ oder bereits als junge Erwachsene und die „Manager von Morgen“?

Prof. Dr. Kudert: Ganz ehrlich? Beides! Manchmal hängt es davon ab in welcher Phase des Studiums sie sich befinden. Man kann natürlich Erstsemester-Studenten nicht mit Master-Studenten vergleichen. Man merkt auch, dass sich die Beziehung der Studierenden zur Universität im Laufe der Zeit ändert. Einige der Studenten haben beispielsweise aus der Schule ein traditionelles Lehrer-Schüler-Bild vor Augen, doch irgendwann erkennen sie, dass wir dort vorne stehen um ihnen etwas beizubringen. Und wenn sie daran kein Interesse haben, müssen sie die Veranstaltung auch nicht besuchen und können sich den Stoff anderweitig aneignen.

Im Laufe der Zeit entwickelt jeder Studierende einen eigenen Lernprozess und ich denke ab dem dritten Semester hat sich das dann gelegt. Andererseits würde ich nicht sagen, dass ich die künftigen Manager vor Augen habe, viel eher erwachsenen Menschen. Denn zu sagen, dass wir nur künftige Manager ausbilden, wäre mir an dieser Stelle doch zu kurz gegriffen.

Kommen wir zu Ihrem Werdegang. Nach Ihrem Antritt an der Viadrina im Jahr 1995 haben Sie Rufe aus Hamburg und Rostock abgelehnt, was hat Sie dazu bewegt in der „Provinz“ zu bleiben?

Prof. Dr. Kudert: Hamburg war natürlich schon ein extrem ehrenwerter Ruf, und dass ich diesen Ruf abgelehnt habe und in Frankfurt (Oder) geblieben bin, in der Provinz wie Sie sagen, hat auch Wellen geschlagen. Aber andererseits ist die Viadrina eine Universität, die sich nicht nur Europa-Universität nennt, sondern wirklich auch international lebt. Das ist also nicht nur ein „Logo“, sondern Wirklichkeit und diese Besonderheit gefällt mir besonders. Zudem habe ich eine Affinität zu Polen, was sich auch in meiner Lehre zeigt, da ich polnisches Steuerrecht unterrichte. Ich schreibe auch Aufsätze und Bücher auf Polnisch und über Polen und ich denke, darauf hätte ich in Hamburg verzichten müssen.

Haben Sie vorher bereits Polnisch gelernt oder damit erst hier an der Viadrina angefangen?

Prof. Dr. Kudert: Ich hatte vorher überhaupt nichts mit Polen zu tun, gar nichts. Das war damals nicht der ausschlaggebende Grund, aber ich bin an die Viadrina gekommen und habe festgestellt, dass das ein spannendes Thema ist, gerade im Steuerbereich. Ich bin seit 1994 hier und erst seit 1992 wurde das polnische Steuerrecht entwickelt, das heißt wirklich vollständig neu und das hat mich sehr fasziniert.

Wir wissen ja, dass Sie Pferde besitzen und trotzdem auch ein Familienmensch sind und beides erfordert natürlich intensive Pflege. Wie schaffen Sie es dennoch als vielbeschäftigter Professor beides unter einen Hut zu bekommen?

Prof. Dr. Kudert: Das ist eine einfache Frage, die schwer zu beantworten ist. Manche Leute denken ich sei geklont, doch das stimmt nicht. Der Vorteil als Professor ist der, dass man zeitliche Flexibilität genießt. Ich kann heute, wenn ich will und die Sonne scheint, nach Hause gehen und Schluss machen, eine Stunde reiten und mich dafür dann bis Mitternacht an den Schreibtisch setzen und arbeiten. Wenn ich in der Nacht E-Mails verschicke, dann bin ich immer wieder erstaunt wie viele Kollegen sofort antworten. Viele Professoren arbeiten eben, wenn andere Menschen schlafen und das ist natürlich ein großer Vorteil, auch für Familienmenschen. Man kommt nicht erst am Abend um acht Uhr aus dem Büro, wenn die Kinder schon schlafen, sondern man kann von zu Hause arbeiten oder man geht eher nach Hause und arbeitet weiter, wenn die Kinder dann im Bett sind. Ich denke es ist im Grunde nur eine Frage des richtigen Managements.

Die Universität und die Zeit im Studium prägen einen Menschen sehr und die Professoren haben daran auch einen großen Anteil. Wie sehen Sie also Ihre Rolle als Vorbildfunktion?

Prof. Dr. Kudert: Es gibt diesen relativ platten Spruch: „Als Professor muss man versuchen Feuer zu entfachen.“ Er mag platt sein, aber er ist eigentlich richtig. Man kann Rechnungswesen irgendwie machen, genauso wie man Marketing und Statistik irgendwie machen kann. Oder man kann eben versuchen, den Leuten Begeisterung zu vermitteln. Somit gibt es auch keine langweiligen oder spannenden Fächer, sondern nur Dozenten die Begeisterung vermitteln können oder eben nicht. Und das ist mein Ziel. Wenn ich es schaffe, bei 20 Prozent der Erstsemester-Studenten dieses Feuer zu entfachen, dann hab ich einen richtig guten Job gemacht. Bei meinen Steuerstudenten ist das völlig anders, die machen das aus voller Überzeugung und mit größter Begeisterung.

Überall wird über das neue Studiensystem diskutiert und über die Rückkehr des Diploms spekuliert. Wissen Sie als Dekan in dieser Hinsicht Genaueres?

Prof. Dr. Kudert: Also zum Diplom kann ich sagen, dass dieser Zug abgefahren ist. Das Diplom wird es in dieser Form nicht mehr geben. Was ich wichtig finde ist, dass man im Bachelor-Studium schon sehr viel Wahlfreiheit hat. Wir hatten im Kollegium auch die Diskussion, ob bestimmte Fächer Pflichtfächer sein sollten oder nicht. Deshalb denke ich, dass die neue Studienordnung, wie sie wohl im Wintersemester kommen wird, besser für unsere Studierenden sein wird, da sie einfach mehr Wahlfreiheit haben. In dieser Hinsicht sind wir jetzt schon besser im Vergleich zu anderen Universitäten, denn so viele Freiheiten wie bei unseren Master-Programmen habe ich an keiner anderen Universität oder Hochschule gesehen.

Zum Abschluss wollen wir Sie noch fragen, ob die einen Ratschlag für die Studenten haben oder ob es etwas gibt, was Sie ihnen mit auf den Weg geben möchten?

Prof. Dr. Kudert: Machen Sie das, was Sie wirklich begeistert, denn nur dann sind Sie auch erfolgreich. Ich selber habe mein Hobby zum Beruf gemacht, was wohl das Beste ist, was einem passieren kann. Daher bin ich noch nie mit einem grimmigen Gesicht zur Arbeit gegangen; wobei es natürlich auch Tage gibt, welche hätten besser laufen können, vor allem diese zum Teil nicht enden wollenden Sitzungen. Man muss das, was man macht, einfach lieben, nur weiß ich nicht ob jeder Student das so sieht.

Herr Prof. Dr. Kudert, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Das Interview wurde geführt von Hoang-Ky Vu und Janette Rosiński.

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